Das Thema Suchmaschinenoptimierung (SEO) verändert sich aktuell sehr stark. Geprägt durch den Einsatz von KI müssen Unternehmen Sichtbarkeit neu denken und ihre Strategien neu auszurichten. Doch was bedeutet dieser Wandel eigentlich für globale Organisationen mit komplexen Strukturen, unzähligen Services und internationalen Teams?
In der aktuellen SEOSENF-Podcastfolge gibt Ines Böhlinger, Head of SEO & Content bei TÜV Süd, einen Blick hinter die Kulissen eines Konzerns, der mitten im SEO- und Digital-Change steckt.
Mit 40 Webseiten, 50 Ländern, 1.000 Standorten und über 15.000 Services gehört TÜV Süd zu den sichtbarsten Playern in der digitalen Welt – und gleichzeitig zu den am stärksten geforderten. Ines berichtet offen darüber, wie ihr 26-köpfiges Team den globalen Relaunch stemmt, wie Content- und SEO-Strukturen komplett neu aufgebaut werden und welche Herausforderungen KI-Suche, AI Overviews und verändertes Nutzerverhalten mit sich bringen.
Besonders spannend: Trotz weltweiter Trafficverluste von rund 10 Prozent zeigt ein datengetriebenes SEO-Projekt, wie man selbst in Zeiten von KI-Search messbar Sichtbarkeit und Umsatz zurückgewinnen kann. Gleichzeitig wird deutlich, wie wichtig Social SEO, PR, Topical Authority und neue Content-Standards im Zeitalter der KI werden.
TÜV Süd neue Herausforderungen für SEO- und Content Team
Im Kern geht es für TÜV Süd darum, Fokus zu schaffen. Viele Länder haben bisher Inhalte eigenständig erstellt oder Agenturen beauftragt, allerdings ohne eine gemeinsame Qualitätsbasis. Jetzt wandern Verantwortlichkeiten Schritt für Schritt in das zentrale SEO-Team. Die Schwierigkeit dabei liegt nicht nur in der Menge der Inhalte, sondern vor allem in der Frage, welche Märkte Priorität haben.
Ines beschreibt, wie wichtig es ist, SEO-Potenziale und Businessziele miteinander abzugleichen. Märkte wie die USA bieten beispielsweise bereits ein fortgeschritteneres Nutzerverhalten im Umgang mit KI-Tools wie ChatGPT – gleichzeitig ist TÜV Süd dort als Marke weniger etabliert als in Deutschland. Das führt zu sehr unterschiedlichen Strategien, je nach Region. Auch die Balance zwischen lokaler Autonomie und globalen Standards wird immer wieder neu austariert.
Relaunch, Headless CMS und neue Informationsarchitektur
Parallel zu diesen Veränderungen läuft ein gigantisches Projekt: der komplette Relaunch der Webseiten inklusive einer neuen Informationsarchitektur. Die bestehende Struktur war der Komplexität des Unternehmens nicht mehr gewachsen. Nutzerinnen und Nutzer benötigten deutlich mehr Orientierung – und auch Suchmaschinen fanden sich nicht mehr optimal zurecht.
TÜV Süd führt daher ein Headless CMS ein, überarbeitet Navigationslogiken und schafft klarere Contentstrukturen. Auch das Shop-System der Akademie, über das zahlreiche Weiterbildungen und Kurse gebucht werden, wird von Grund auf modernisiert. All diese Veränderungen finden statt, während die bestehenden Seiten weiterhin performant bleiben müssen – eine der größten Herausforderungen im digitalen Konzernumfeld.
Auswirkungen von AI Overviews und KI-Modus auf die Sichtbarkeit
Ein Schwerpunkt des Gesprächs sind die Veränderungen durch AI Overviews und KI-gestützte Suche. Global gesehen verzeichnet TÜV Süd etwa zehn Prozent Trafficverlust – ein Wert, der geringer ausfiel als ursprünglich befürchtet. In einzelnen Ländern sind die Rückgänge jedoch deutlich höher, etwa in Italien oder Spanien, was dort zu großer Nervosität führte.
Spannend sind die Erkenntnisse zu Leads und Abschlüssen:
- Informationelle Leads wie Webinar-Anmeldungen oder Downloads werden qualifizierter und schneller abgeschlossen.
- Transaktionale Abschlüsse wie Kursbuchungen benötigen hingegen mehr Touchpoints und Zeit.
- ChatGPT ist in Deutschland inzwischen eine relevante Quelle für Abschlüsse, während andere KI-Tools weit zurückliegen.
Diese Beobachtungen zeigen, dass sich User Journeys stark verändern – aber nicht in allen Bereichen gleich. Für TÜV Süd bedeutet das, Strategien viel differenzierter zu betrachten, statt überhastet umzuschwenken.
Wie TÜV Süd testet, lernt und optimiert
Anstatt sich von Unsicherheit treiben zu lassen, hat das SEO-Team früh eine klare Kommunikationsstrategie entwickelt und das Top-Management eng eingebunden. Ines beschreibt, wie wichtig es war, offen zu kommunizieren, was man weiß – und was nicht. Gerade in einem Konzern mit 30.000 Mitarbeitenden ist Vertrauen entscheidend.
Intern arbeitet das Team mit unterschiedlichen Pilotprojekten und Testfeldern. Dazu gehören neue Content-Briefing-Templates, Anpassungen an der Zitierbarkeit von Texten, A/B-Vergleiche und Tests von On-Page-Optimierungen. Zusätzlich werden einzelne Märkte wie die USA als „MVP-Regionen“ genutzt, um komplette Sichtbarkeitsstrategien auszuprobieren.
Die Zusammenarbeit mit Social Media, Online-PR, dem Analytics-Team und der Unternehmenskommunikation wird immer wichtiger. Themen wie Topical Authority, Social Signals und kanalübergreifende Sichtbarkeit spielen eine deutlich größere Rolle als früher. KI sorgt also nicht nur für Veränderungen im Suchverhalten – sie verändert auch die interne Zusammenarbeit.
KI in der Content-Produktion und Prozessoptimierung
TÜV Süd nutzt bereits Tools wie Microsoft Copilot, doch der Wunsch nach einem dedizierten Enterprise-Zugang zu ChatGPT ist groß. KI soll jedoch nicht primär Texte schreiben, sondern Prozesse verbessern: effizienteres Briefing, schnellere Auswertungen, Automatisierung von Routineaufgaben. Um diesen Bereich stärker voranzutreiben, hat das Team sogar eine neue Rolle geschaffen: den „Data and Automation Analyst“. Wer übrigens Wert auf Qualität legt und die Texterstellungsprozesse effizienter gestalten möchte, sollte sich in dem Zusammenhang die Content Suite von PageRangers mal näher anschauen.
Ein weiteres wichtiges Projekt ist die Einführung von ClickUp, das künftig Prozesse, Abhängigkeiten und Automatisierungslogiken abbilden soll. Ziel ist es, Workflows zwischen SEO, Content, CMS und anderen Bereichen deutlich zu beschleunigen – ein wesentliches Element, um als Konzern nicht zum „Dampfer“ zu werden, wie Ines es formuliert.
Blick in die Zukunft: Wohin entwickelt sich KI-Suche?
Gegen Ende des Gesprächs teilen Thomas und Ines ihre Einschätzung zur Zukunft der KI-Suche. Beide sehen derzeit noch keine breite Durchdringung des KI-Modus von Google, obwohl dieser großes Potenzial hat. Viele Nutzerinnen und Nutzer scheinen weiterhin dem gewohnten Suchverhalten treu zu bleiben. Gleichzeitig hat sich ChatGPT als tägliches Arbeitswerkzeug in vielen Bereichen etabliert – insbesondere für ideenbasierte, kreative oder konzeptionelle Aufgaben.
Ines glaubt, dass Google aufgrund seiner enormen Datenbasis langfristig Vorteile hat. Entscheidend wird sein, wie schnell Google seine KI-Features für die breite Masse intuitiv und einfach nutzbar macht. Für Unternehmen wie TÜV Süd bedeutet das: flexibel bleiben, testen, lernen – und die Basis nicht vernachlässigen. Denn der Großteil des Traffics kommt weiterhin über klassische organische Suche.
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